Es gibt mehrere Wege, mit Angst umzugehen: Der eine ist, sie »wegzumachen«, beispielsweise durch Tabletten. Ein anderer Weg ist, sie zu verdrängen, etwa durch Ablenkung oder eine dauerhafte Beschäftigung. Der dritte Weg ist, die Angst zu bewältigen, und zwar durch eine clevere und sensible Art der Konfrontation.
Tobi Wagner schlägt in diesem Buch genau diesen dritten Weg ein. Er kommt in den großen Lehrbüchern viel zu selten vor und ist doch so oft von Erfolg gekrönt: Man gibt der Angst einen Namen, einen Stuhl im Wohnzimmer und ein leicht zerzaustes Fell (Tobi nennt sie Furchtmar.) Was einen Namen hat, kann man ab jetzt ansprechen. Und was eine Gestalt hat, kann ab diesem Moment »erkannt« werden und bewohnt fortan nicht mehr als unkenntliches Schreckgespinst das Gehirn. Die Personifizierung der Angst nimmt ihr den Schrecken.
Das Angenehme an diesem wunderbaren Buch ist, dass es nicht das x-te Fachbuch über Angst ist. Was Sie auf den folgenden Seiten finden, ist ebensowenig ein klassischer Ratgeber. Tobi ist etwas viel Besseres gelungen: Er hat eine nachdenklich machende und rührende Geschichte geschrieben. Er erzählt Ihnen etwas von Rosinen, die einem nach dem Leben trachten, von Hausfluren, die zu Hindernisparcours mutieren, und von schwarzen Katzen, die womöglich Teil eines internationalen Komplotts sind. Wer das nicht kennt, wird leise schmunzeln. Und wer etwas Ähnliches kennt, wird leise nicken (und vermutlich genauso schmunzeln). Der Humor schafft den Abstand, ohne den sich kein Mensch von außen ansehen kann.
Als Arzt und Therapeut mag ich die Botschaft dieses Buches sehr und stütze sie aus vollem Herz und mit vollem Hirn: Jonas wird zwar nicht geheilt, und Furchtmar »verlässt« ihn nicht. Aber was sich verändert, ist die Art der Bekanntschaft: Aus dem Tyrannen wird ein Mitbewohner, dessen Stimme er lernt manchmal schlichtweg zu überhören und ihm schon gleich gar nicht immer zu gehorchen. Darin liegt eine zentrale Bedeutung dessen, was wir Akzeptanz nennen.
Lesen Sie selbst.